Im Gespräch mit dem Koordinator der Redemptoristen in Europa

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Auszug aus einem Gespräch mit P. Jacek Zdralek CSsR über einige Herausforderungen für den Redemptoristen in Europa. P. Zdralek stammt aus Polen und ist seit 2010 Koordinator der Provinzen und Vizeprovinzen in Europa. Neue gemeinsame Projekte und die Förderung der Zusammenarbeit der Provinzen und Regionen gehört zu seinen Aufgaben.

Hoffnung – Mut – Zusammenarbeit

Was sind in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen für die Ordensgemeinschaften im Allgemeinen und für die Redemptoristen im Besonderen? Bei uns im „Westen“ und weltweit? Wohin sind wir heute besonders gerufen?

Herausforderungen sind immer verbunden mit Wirklichkeiten, die wir erleben. Aber manchmal werden die Überlegungen und Beurteilungen, wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist, in verschiedenen Ländern, Gemein-schaften und Kommunitäten in verschiedener Weise getroffen. Ich gebe daher meine Erfahrungen nur im Blick auf den Bereich der Redemptoristen in Europa weiter.

Es gibt viele Herausforderungen. Ich werde aber nur über drei von ihnen schreiben:

Hoffnung für die Zukunft – Mut – Zusammenarbeit.

Einerseits hat die Konferenz der Redemptoristen von Europa wirklich viele Möglichkeiten und einen großen missionarischen Eifer. Unsere Provinzen leisten eine hervorragende pastorale Arbeit in Europa und in vielen Missions-gebieten außerhalb unseres Kontinents. Die Redemptoristen tun wirklich viel für die Evangelisation, und an vielen Orten haben wir eine Menge neuer Ideen. Aber wir unterscheiden uns in der Fragestellung bezüglich der „Hoffnung für die Zukunft“. Darum haben manche von uns die Hoffnung aufgegeben.

Die erste Herausforderung: „Hoffnung für die Zukunft“.

Wir müssen wirklich manche Einschränkungen unserer gegenwärtigen Situation hinnehmen, aber wir dürfen uns davon nicht überwältigen lassen. Gelegentlich ziehen wir es vor, an die Vergangenheit zu denken, weil wir uns in vielfacher Weise vor der Zukunft fürchten. Es ist leichter, über Erfolge in der Vergangenheit mit bedeutenden apostolischen Unternehmungen in der Auslandsmission nachzudenken. Es ist leichter, die ruhmreiche Geschichte unserer Vorfahren zu schreiben, als eine Visionen zu entwerfen. Aber unser Leben muss weitergehen, und unser Leben muss aufs Neue unserem Kontinent die Schönheit des Evangeliums vermitteln. Das können wir nur vollbringen, wenn unsere Herzen voll Hoffnung sind.

Alles ist im Wandel begriffen, auch unser Verständnis von Erlösung. P. Joseph Tobin schrieb über „Erlösung“ folgende Worte: „wir sind uns möglicherweise nicht bewusst, wie sich unser Verständnis von Erlösung gewandelt hat. Wir sind vielleicht tatsächlich so geschäftig oder zerstreut, dass wir nicht tief genug darüber nachdenken, wie Gott mit der Welt umgeht“. Wir brauchen wirklich ein Nachdenken. Ohne eine solche Reflexion wird das Evangelium, das wir predigen, weder „gut“ noch „neu“. Unsere Antwort muss darin bestehen, dass wir eine Gesinnung zurückweisen, die am Glanz der Vergangenheit hartnäckig festhält oder selbstzufrieden die gegenwärtigen Einschränkungen akzeptiert.

Die zweite Herausforderung: Mut

Eine zweite Herausforderung, die von uns gefordert ist, heißt „Mut“. Haben wir den Mut, in einigen besonderen Umständen zu sagen, dass das, was wir jetzt hier tun, nicht unserem Charisma entspricht? Dass das kein Platz für uns ist? Haben wir diesen Mut, der Alfonsus dazu bewog, Neapel hinter sich zu lassen und in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen, nur ausgerüstet mit dem Vertrauen, dass Gott ihn führt? Setzen wir unsere ganze Kreativität und Leidenschaft ein, um Jesus, den Erlöser in einer Sprache zu verkünden, die die Menschen, besonders die verlassenen Armen, heute verstehen können?

Die dritte Herausforderung heißt: „Zusammenarbeit“.

Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen: unter einander und auch mit Laien. Vielen von uns ist klar, dass wir nicht getrennt arbeiten können, weil diese moderne Welt multikulturell, mutinational, mehrsprachig usw ist. Wenn wir an die kommenden missionarischen Initiativen in Europa denken, ist es klar, dass die meisten von ihnen nur möglich sind, wenn wir einander helfen. Es ist wahr, dass wir so viele verschiedene Kulturen, Mentalitäten, Kirchenbilder, Gewohnheiten und Sprachen auf unserem Kontinent haben. Wir brauchen neue Formen von Solidarität unter einander. Wir müssen zugleich auch erst das große Potential an Gaben der Laien entdecken, die mit uns zusammenarbeiten und die mit uns das selbe Charisma teilen. Ohne sie wird unsere Verkündigung nicht so reichhaltig und mächtig sein.

Übersetzung aus den Englischen: P. Franz Hauser

Der gesamte Artikel erschien in den KLEMENSBLÄTTER (Ausgabe September-Oktober 9-10/2014).

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